Auvers (Rote Studie), 2012
Dispersion auf Leinwand
Studie zur Kirche von Auvers-sur-Oise
Werkgruppe: Auvers
Gegenüber dieser einstimmigen Schweinerei, die einer-
seits den Sex und andererseits die Messe oder ähnliche an-
dere psychische Riten als Basis oder Stützpunkt hat, ist es
nichts Wahnsinniges, wenn man nachts mit zwölf Kerzen
auf dem Hut befestigt spazierengeht, um eine Landschaft
vor dem Motiv zu malen;
denn wie hätte der arme van Gogh sich sonst Licht ver-
schaffen können? Wie neulich unser Freund, der Schau-
spieler Roger Blin, so treffend bemerkte.
Was die verbrannte Hand anbetrifft, so ist das purer und
einfacher Heroismus,
was das abgetrennte Ohr betrifft, so ist das direkte Logik,
und ich wiederhole es,
eine Welt, die Tag und Nacht und immer mehr das Un-
genießbare ißt,
um ihren bösartigen Willen durchzusetzen,
hat in diesem Punkt
nur die Schnauze zu halten.
Der Text stammt aus:
Antonin Artaud: Van Gogh, der Selbstmörder durch die Gesellschaft
(Originaltitel: Van Gogh, le suicidé de la société, 1947)
Artaud schrieb diesen Essay anlässlich einer Van-Gogh-Ausstellung in Paris. Der Text gilt als eine der radikalsten kunsttheoretischen Verteidigungsschriften des 20. Jahrhunderts. Artaud widerspricht darin der psychiatrischen Pathologisierung Van Goghs und kehrt die Perspektive um: Nicht Van Gogh sei krank gewesen, sondern die Gesellschaft, die ihn nicht ertragen konnte.