Sloterdijk

„Ein kleiner, unbedeutender Mann“:
Sloterdijk erklärt Putins „rasenden Amateurismus“

Deutschlands bekanntester Philosoph
Putins Niveau erinnert Sloterdijk an „Tischgespräche Hitlers“
Focus.de

Eine Kritik

Einleitung
Die Tatsache, dass ich selbst ‘Philosophie’ an einer ‘Kunst-Universität’ studiert habe,
wird mir ja immer wieder als Grundmakel angelastet, aber eben dieser Umstand
macht mich dann doch auch immer wieder sensibel für all die Gefahren, die von den, mh,
ich nenne sie jetzt einfach einmal ‘Analytiker’, die also von den so-richtig-seriösen, “namhaften” Analytikern innerhalb des deutschen Philosophiebetriebes ausgehen, und gemeint sind
damit die oft auch etwas lautstarken Zeitgenossen, die in der Regel über den Umweg der
Wissenschaft (bspw im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Studiums) also über den
Umweg über den ‘wissenschaftlichen Rationalismus’ bei der Philosophie gelandet sind
und für die Philosophie in diesem Sinne also vorallem ein Sprachproblem darstellt,
das sich aus der “objektiven” (wissenschaftlichen) Beschreibung der Wirklichkeit ergibt.
(Analytische Philosophie, Kantianismus, Sloterdijk: Kant – Philosophie jetzt!, Szientismus)

Würde man an dieser Stelle (so als Kunstuniversitätslumpenphilosoph ohne Medienpräsenz) einwenden, dass zwar die Wissenschaft für die Produktion von ‘objektiven’ Wahrheiten
zuständig sei, dass in der Philosophie (als Instrument zur Bewertung eben dieser objektien Erkenntnisse) dann auch noch ein anderer Faktor hinzukommt, nämlich der Faktor
der “subjektiven” Erkenntnisse, dann würde man hier in Deutschland natürlich wohl meistens
auf Unverständnis, wahrscheinlich sogar auf Empörung treffen, um dann recht vorschnell
als “religiöser Eiferer, “Esoteriker” oder eben als “Kunstuniversitätslumpenphilosoph”
aus den heiligen Hallen der wirklich so richtig seriösen Philosophie geworfen zu werden, is ja völlig klar,
aber
nichts desto trotz gibt es dennoch auch ein paar subjektive Erkenntnisse des ‘echten’ Lebens
(“Des echten Lebens”, in dem gerade bspw Krieg geführt wird) und auf das Wissenschaftler
wie Lesch oder Philosophen von der analytischen Sorte wie Sloterdijk ja dadurch einwirken
wollen, dass sie medial werden, und schon an dieser Stelle könnten wir ja einmal ganz kurz
festhalten, dass ‘die Medien’ ganz offensichtlich eher zum kulturellen Bereich der Gesellschaft dazugehören, insbesondere auch, wenn wir diesen Bereich als einen Markt betrachten.
Ultrakurzfassung: Objektivierende Wissenschaftler und auch analysierende Philosophen sind
selbst immer auch ‘subjektive’ Wesen, die also subjektive Interessen haben und die bspw
einen Beruf ausüben, wobei der Begriff “Beruf” (“Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens” F. Nietzsche)
also die Erkenntnis von der Notwendigkeit eines Berufes in diesem Zusammenhang ja eben eine
solche subjektiv wahre (metaphysische) Erkenntnis darstellt.
“Geld” und so.

Jedenfalls würde ein in diesem Sinne verstandener Philosophie-Begriff die Philosophie
als Vermittlerin  zwischen den beiden großen Erkenntnisbetrieben der Menschheit betrachten,
(also als Vermittlerin zwischen dem objektive Wahrheiten produzierenden Wissenschaftsbetrieb
und den subjektiven Weltanschauungen der Kulturschaffenden…)

Das Medien-Event

Nach dieser kleinen Einleitung möchte ich darauf hinweisen, dass Sloterdijk es ja ganz offenkundig
für seine persönliche, philosophische Aufgabe hält, ja vllt sogar für die Aufgabe der deutschen Philosophie ansich, uns eine solche, sprachoptimierte, vermeintlich objektive Analyse des
russischen Präsidenten massenmedial abzuliefern,
und die Gefahr, die meiner Meinung nach dadurch entsteht,
die scheint mir dann doch schnell beschrieben,
– in diesen Zeiten des eskalierenden Konflikts mit Russland – denn das, was Sloter hier ganz offensichtlich für das Aussprechen von naheliegenden Wahrheiten hält, das könnte in den “halbgebildeten” Kreisen, insbesondere in Russland, ja sehr viel eher als
“herabwürdigende Beleidigungen” interpretiert werden,
und schon an dieser Stelle wird vielleicht klar, welchen Unterschied es zwischen
der Wissenschaft und der analytisch geprägten Philosophie auf der einen
und der Kunst auf der anderen Seite gibt:
Als Künstler (und Kunstuniversitätenlumpenphilosoph) halte ich diesen ‘medialen’ Vorgang
samt innewohnender Hybris dann doch für ziemlich gefährlich, und auch für grundlos eskalierend,
und zwar selbst dann, wenn die abgelieferte und veröffentlichte Analyse
des karlsruher Medienphilosophen Sloterdijk bzgl des Innenlebens und des Werdegangs
des Wladimir Putin zutreffend (und damit eventuell hilfreich) wäre.

Das ist sie aber nicht.

Nun muss ich an dieser Stelle wohl anfügen, dass ich meine gesellschaftliche Aufgabe
(also seit meinem Studium an eben dieser vorab schon erwähnten deutschen Kunstuniversität)
in den letzten Jahrzehnten darin sah – und ich werde tatsächlich nicht müde, das immer wieder anzumerken – ich sah meine Aufgabe lange Zeit darin, trotz aller staatlichen Widerstände, Schikanen und versuchten Berufsverbote mich um die ‘kulturellen Beziehungen’ meiner Generation
zur Atommacht Russland zu kümmern, wobei ich zugegebenermassen bei der beruflichen Prioritätensetzung den Beziehungen zu Israel in den allermeisten Fällen den Vorrang gab.
(He, die deutsche Vorgeschichte ist hier halt voller offener Baustellen…)

Und trotz des allgegenwärtigen staatlichen Terrors gegenüber (nichtnamhaften) Künstlern
nachgerade im Regierungsbezirk Karlsruhe hatte ich in der Tat schon damals damit begonnen,
alle Kunstgalerien in Russland bzw in Moskau zu recherchieren, um sie anzuschreiben, es kam dann natürlich nie dazu, weil ich eben meine Arbeiten und mich in Sicherheit bringen musste,
jedenfalls halte ich mich doch ansatzweise und vorallem in kultureller Hinsicht für kompetent genug,
diese oberflächliche, psychologische Beschreibung Putins für ziemlich fragwürdig zu halten,
und das beginnt ja schon mit der Erkenntnis, dass dieser Krieg mindestens ein Jahr im Voraus
geplant wurde, und zwar ganz offensichtlich von russischen ThinkTanks, die ihr Geschäft wohl während der Zeit des Kalten Krieges erlernt haben.
Und btw – gerade wenn man anfängt, als “Gegner” überheblich zu werden, genau in dem Moment
sollten wirklich IMMER alle Alarmglocken anfangen zu schrillen…

Zudem sollte man gerade als Deutscher doch recht vorsichtig im Umgang mit einem Russland sein,
das Jahr für Jahr den Sieg über Nazideutschland zelebriert, während die russische Filmindustrie
die Gräuel des deutschen Überfalls stetig in die Gegenwart hinüberträgt.
(Beispiel mit teils drastischen KZ-Szenen: https://de.wikipedia.org/wiki/T-34_(Film)

Ich bin nun jedenfalls aus dem freiheits-, kunst und kulturfeindlichen Teil Deutschlands,
also aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe weit weggezogen und kann mich nun endlich
wieder unbelästigt und ohne ständige staatliche Übergriffe und Schikanen hier im
kulturellen Untergrund meinem Beruf widmen, obwohl
der Zug für “gute kulturelle Beziehungen zu Russland” jetzt natürlich abgefahren ist, hallo?
Und hab ich hier eigentlich schon erwähnt, dass ich gezwungen bin, diesen Job an der kulturellen Oberfläche seit gut 20 Jahren vollständig alleine zu finanzieren?
Der Gesetzgeber und die Entscheider im Regierungsbezirk Karlsruhe halten diesen Umstand
jedenfalls für eine “angemessene” Förderung von Kunst und Kultur im Sinne des Grundgesetzes,
und welcher Künstler würde es wagen, diese altbekannten Traditionen im Umgang mit Kulturschaffenden in diesem Land zu kritisieren?


Die falsche Analyse

Nun kritisiert Sloter bei seinem Rundumschlag ja vorallem auch den deutschen Journalismus,
(und zwar ausgerechnet in so einem qualitätsjournalistischen Umfeld wie dem “Focus” (Achtung, Sarkasmus) und klar, die Qualität des deutschen Journalismus der Gegenwart zu kritisieren,
das macht natürlich wirklich immer Sinn,
aber diese Kritik macht seine grundlegende Analyse ja nicht wirklich besser,
denn, Entschuldigung, aber der russische Militarismus mag direkt aus den Verbrechen der deutschen Wehrmacht entstanden sein, und er mag sich samt Feindbild über all die Jahrzehnte erhalten und als PTBS generationenübergreifend fortgesetzt haben, aber bei diesem Einmarsch in die Ukraine geht
es doch nur an der medialen Oberfläche um Größenwahn, die Sowjetunion, oder all die sonstigen Erklärungen und Verlautbarungen und historischen Begründungen, die Putin uns und den Russen so vorlegt, nein,
es geht hier ganz einfach nur um einen ganz banalen Raub.
Denn jetzt gerade versuchen die Russen exakt die Gegend im Donbas einzukesseln, die direkt über dem
“Yuzivska Gas Feld” liegt. (> Yuzivska gas field – Wikipedia)
Und auch vor der Krim befinden sich übrigens zwei größere Gasfelder.
Will sagen: Die eigentliche (philosophische) Diskussion die jetzt eigentlich geführt werden müsste,
das wäre die Diskussion über das Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe.
Und über die Gefahren, die heutzutage von den RofstoffProfiteuren der Vergangenheit
(der texanischen Erdölmafia und den russischen Oligarchen)
ausgehen, die die Welt gerade mit ihren Rohstoffkriegen überziehen.

Und natürlich stellt sich die Frage, wieviel Öl und Gas überhaupt noch verfügbar sind.
(Stichwort: Peak Oil)
Denn ganz offensichtlich geht es hier um sehr viel Geld, und somit nur ganz am Rande
um all diese medialen halbgaren Rechtfertigungen  des Wladimir Putin…
Was ja übrigens auch etwas beruhigendes hat, denn für das Geld-Verdienen braucht es am Ende
ja dann trotzdem Kunden (also Abnehmer, Abnehmer-Länder) – mit einer stabilen, prosperierenden Wirtschaft. Auch Deutschland völlig wegzubomben, unter Umständen nuklear, macht zunächst einmal also recht wenig Sinn…
Da aber Deutschland ja gerade (und zwar vorallem auch aufgrund vieler falscher Analysen und
eines unterirdisch erkenntnisarmen journalistischen Betriebs ) dabei ist, sich wirtschaftlich
in jedem denkbaren Bereich selbst zu vernichten (Informationszeitalter, Finanzsystem, Elektromobilisierung etc etc) könnte auch diese meine These leider schnell obsolet werden.

He, ok,  Schlussatz, es is völlig klar, wer es wagt, die Ikonen der Generation der 68er zu kristisieren,
gerade also so als Kunstuniversitätslumpenphilosoph der Generation der Enkel, also als
Wichtigtuer und als im Regierungsbezirk Karlsruhe eklatant gescheiterter Künstler,
der darf sich natürlich nicht wundern, wenn sich Beamtentum, Obrigkeit und im Grunde das gesamte philosophische Quartett der Gegenwart sich maßlos empören –
Kopien dieses Textes also zur Sicherheit wie üblich auch auf meiner Webseite.
(Der Provider befindet sich im Ausland, aber schaun wir mal, ich meine, die staatliche Zensur organisiert sich ja gerade übergreifend)

Hasta la Vista

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